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Presseinformation anl. Gutachten zur Freilandhaltung

Potsdam, 10.01.2019 – In Brandenburg verstößt das Landesumweltamt bei der Genehmigung von Freiland-Legehennenanlagen gegen geltendes Recht. Zu diesem Schluss kommt der Berliner Verwaltungsrechtler Tim Stähle, der im Auftrag des BUND Brandenburg Forschungsergebnisse des Fachgebietes Ökologischer Land- und Pflanzenbau und des Fachbereiches Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel rechtlich bewertet hatte. „Die behördliche Genehmigung von Freiland-Legehennenanlagen mit knapp unter 40.000 Tieren verstößt gegen die Betreiberpflichten des Bundesimmissionsschutzgesetzes. Anlagen dieser Größenordnung werden in Brandenburg häufig genehmigt. Der Hennen-Kot führt auf den viel zu kleinen Auslaufarealen zu überhöhtem Stickstoffeintrag und dadurch zu schädlichen Bodenveränderungen und Gefahren für das Grundwasser“, so Stähle. Zugleich verstießen Betreiber gegen ihre Verpflichtung, den als Abfall einzustufenden Kot der Hennen ohne Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit zu beseitigen.

Das Landesumweltamt sei angesichts dieser Bewertung aufgefordert, seine Genehmigungspraxis zügig und konsequent umzustellen, so Axel Wunsch vom Verein Contra Eierfabrik Oranienburg für das „Bündnis Bürgerinitiativen gegen Legehennen-Massentierhaltung in Brandenburg“. Freilandhaltung sei die einzig akzeptable Form der Hühnerhaltung. Sie müsse für den Schutz der Umwelt aber jedoch dringend verbessert werden. Keinesfalls könne die Lösung darin bestehen, dass Freilandhaltung abgeschafft werde. Stattdessen müssten die Auslaufflächen für Legehennen erheblich vergrößert werden, weil die derzeit üblichen vier Quadratmeter je Huhn für einen umweltverträglichen Abbau des Hühnerkotes deutlich zu klein seien. Darüber hinaus müssten Ställe, Auslaufflächen und Herdenmanagement so gestaltet werden, dass der Auslauf von allen Hühnern vollständig und gleichmäßig genutzt werde. Die für den Nährstoffabbau zwingend notwendige Pflanzendecke sei nur durch Wechselausläufe gewährleistet. Wunsch forderte das Landesumweltamt auf, die umweltrechtlich relevanten Erkenntnisse aus dem Kasseler Abschlussbericht bei allen laufenden und zukünftigen Genehmigungsverfahren für Freiland-Legehennenanlagen konsequent und ausnahmslos zu berücksichtigen. Bestandsanlagen für müssten umgehend den gleichen Regeln unterworfen werden, da von ihnen eine fortlaufende Gefahr für Boden und Grundwasser ausgehe. Zur Gefahrenabschätzung und zum Schutz der Bevölkerung seien bei Bestandsanlagen Bodenuntersuchungen tiefer als 0,9 Meter im stallnahen Bereich durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen.

Zum Bündnis Bürgerinitiativen gegen Legehennen-Massentierhaltung in Brandenburg

Dem Bündnis gehören aktuell folgende Bürgerinitiativen an:
Bürgerinitative Löpten
Verein „Contra Eierfabrik Oranienburg“ http://www.contra-eierfabrik.de
Bürgerinitiative  Eselshütt http://bi-eselshuett.de/impressum/
BI „Contra Industrie-Ei Uckerseen“ https://contraindustrieeiuckerseen.wordpress.com/impressum/ Bürgerinitiative „Asphalthennen“ Ziesar http://www.ziesar.de/verzeichnis/visitenkarte.php?mandat=142692 Bürgerinitiative Ellershagen https://ellershagen.de/kontakt/
sowie der BUND Brandenburg https://www.bund-brandenburg.de/

Gegründet wurde das Bündnis Anfang Juni 2018. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens verabschiedendeten dabei folgende Erklärung: „Vertreter der Bürgerinitiativen Eselshütt, Contra Industrie-Ei Uckerseen, Contra Eierfabrik Oranienburg, BI gegen Asphalthennen Ziesar und BI Löpten haben beim ersten Brandenburgischen Legehennen-Symposium am 1. Juni 2018 in 17268 Warthe / Uckermark beschlossen, in gemeinsamer Aktion juristische Schritte gegen die Genehmigungspraxis des LfU Brandenburg für die industrielle Produktionskette der Eierproduktion von Junghennen bis zum Schlachthof zu unternehmen. Als besonders problematisch und damit auch als nicht genehmigungsfähig sehen sie bei großen Freiland-Legehennenanlagen die massive Überfrachtung des stallnahen Teils des Auslaufbereiches durch Hühnerkot. Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass die Tiere fast nur diesen Teil des Auslaufes nutzen. Der dort in großen Mengen abgesetzte Stickstoff aus dem Kot kann vom schnell zertretenen Bewuchs nicht aufgenommen werden und gelangt so durch Auswaschung in Richtung Grundwasser. Dies stellt eine Gefährdung des Grundwassers dar und schließt daher die Genehmigungsfähigkeit dieser Haltungssysteme aus.“
Das Bündnis steht allen offen, die sich diesen Zielen verbunden fühl.

Aktuelle Berichterstattung (11. Januar 2019)
rbb Brandenburg aktuell 
rbb24
Märkische Oderzeitung
Berliner Zeitung

Leere Landschaft, ein Beitrag

Einst lag bei Sonnenschein oft eine Ringelnatter auf den warmen Backsteinstufen vor der Haustür. Einst belohnte der schillernde Eisvogel den frühmorgendlichen Schwimmer am See. Flusskrebse im Wasser erschreckten die Kinder. Einst wand sich einen kopfsteingepflasterte Straße den Hügel hinauf, vorbei an morschen Kopfweiden und endlosen Wiesen, über denen Milane kreisten, diese kühnen Flugkünstler, und Lärchen trällerten. Einst summten Bienen in Apfelbäumen und Linden, leuchteten die Felder im Mai rot vom Mohn und die Wegesränder blau von den Kornblumen, hüpften Frösche dem Storch in den Schnabel. Einst bogen sich Straßenbäume unter Äpfeln und Birnen und luden zum Sammeln und Mosten ein.

Einst, und das ist erst ein paar Jahre her, lag vor den Toren Berlins ein unfassbar reiches Paradies.

Als Erstes kamen die Straßenbauer und räumten die unordentlichen Weiden weg mitsamt der Holperpiste, die ihnen zu romantisch erschien. Dann kam der Mais, der plötzlich auf jeder Wiese stand. Und der Dünger, den der Mais braucht, um auf den sandigen Hügeln zu wachsen. Und der Unkrautvernichter, der selbst am Wegesrand kein Blümchen verschont. Und der Pflug, der Wege wegpflügt. Und die Hühnerställe, Rinderställe, Schweineställe. Und mit den Ställen die Gülle, die auf die Felder muss und in den Seen und im Grundwasser landet. Und die neuen Algen, die jetzt im trüben Seewasser wachsen, schaumige, schleimige, giftgrüne Algen.

Flusskrebse gibt es hier nicht mehr. Der Himmel ist vogelfrei. Das Grundwasser sinkt, die Sölle trocknen aus, Frösche und Rotbauchunken verschwinden, Nitrat und Phosphat im Wasser steigen. Die Apfelbäume tragen keine Äpfel, die Birnbäume keine Birnen. Zuviel Frost, zu wenig Bienen, zu wenig Hummeln, zu wenig Schmetterlinge. Insekten fehlen den Vögeln als Nahrung.

Die schöne Kulisse steht noch. Aber sie ist leer. Entsetzlich leer.

Uta v. Arnim, Pinnow, November 2017

Siehe hierzu auch der Artikel „Tödliche Stille“ in der Süddeutschen Zeitung vom 11. November 2017

Massentierhaltung Schuld an hohem Nitratgehalt im Grundwasser

Das Problem der Grundwasserverschmutzung mit Nitrat ist seit Jahren europaweit bekannt. Deutschland ist mit am stärksten davon betroffen und verstößt damit gegen Richtlinien der Europäischen Union.  „Die Massentierhaltung versaut uns das Grundwasser“, sagt Bärbel Höhn, Bundestagsabgeordnete und Umweltexpertin der Grünen.
Am stärksten betroffen sind Gegenden in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, in denen die Massentierhaltung und die Landwirtschaft besonders ausgeprägt sind. Wollen wir das nicht in Brandenburg verhindern!
Mehr dazu in der Süddeutschen Zeitung und in der aktuellen Tagesschau.

Bündnis 90/Die Grünen: Kein Verständnis für Hühnerfarmen

Die Sprecherin B 90/Die Grünen, Kreisverband Uckermark, Regine Kik hatte beim Nordkurier aufgrund des dort am 15. Dezember 2014 erschienen Artikels „Zwei Legehennen-Fabriken in der Uckermark geplant“ gebeten, ihre Meinung zum Bau der Großställe zu veröffentlichen.

Das ist am 7.1. 2015 geschehen – hier geht es zum Nordkurier.

Wir drucken den ganzen Text: „Die Grünen der Uckermark haben kein Verständnis für die Genehmigung von zwei Legehennen-Anlagen in Zollchow zwischen Sternhagener See und Unteruckersee. Denn beide Anlagen befinden sich in einem Abstand von nur 450 m voneinander in derselben Flur, da sie einem Ehepaar gehören. Aufgrund der räumlichen Trennung erhält jeder Ehepartner so eine Förderung von jeweils 628 000 Euro pro Anlage. Diese sind auch nicht weit entfernt von einem europäischen Vogelschutzgebiet, was der Sache besondere Brisanz verleiht.
Da beide Anlagen mit je 39 990, also mit insgesamt 79 980 Legehennen jeweils 10 Hennen unter der Grenze für eine Umweltverträglichkeitsprüfung liegen, fand auch keine Beteiligung von Bürgern oder Naturschutzverbänden statt. So waren Sölle, die innerhalb der Anlagen liegen und unter Naturschutz stehen, nicht schutzwürdig. Auch stärkerer Nitrateintrag in Grundwasser und die mit ihm verbundenen Seen war kein Hinderungsgrund. Genauso wenig berücksichtigt wurden die Belange der anrainenden Bürger, der Hotels und Pensionen in der Nähe. Sieht so der aktive Schutz einer Region aus, die erst 2013 den Ersten Preis für nachhaltigen Tourismus erhalten hat und dringend angewiesen ist auf Arbeitsplätze und Einkommen in Beherbungswesen, in der Gastronomie, in Wellness-Einrichtungen, in Wäschereien, auch im Einzelhandel etc.? Schließlich ist der Tourismus ein Wirtschaftszweig, der hinsichtlich Arbeitsplätzen einen wesentlich höheren Multiplikationsfaktor hat als die Landwirtschaft.
Durch die Genehmigung der beiden Anlagen wird aber der Landwirtschaft als Wirtschaftsfaktor zu stark Vorrang eingeräumt, und wieder einmal hier den Großbetrieben, die in einem Maße subventioniert werden, von dem die kleinen Landwirte und Bauern der Region nur träumen können, gerade auch solche, die sich als Geflügelhalter besonderen bürokratischen Hindernissen gegenübersehen.
Hier hat es bei den verantwortlichen Stellen entschieden an Einsicht und Mut gefehlt. Es wäre ja möglich gewesen, unter Hinweis auf wirtschaftliche und ökologische Gründe (und die Zahlenakrobatik!) die Genehmigung nicht zu erteilen – und möglicherweise die Justiz entscheiden zu lassen.“

Regine Kik (Sprecherin Bündnis 90/Die Grünen, Kreisverband Uckermark) 17268 Templin-Netzow